Statement: Die Verteidigung des New Casa (Hellersdorf) — Solidarität ist unsere gemeinsame Sprache

—english see article below—

New Casa: https://www.instagram.com/new.casa__

„Wir als Bewohner*innen freuen uns sehr über die schnelle Hilfe und die breite Solidarität, die wir seitdem erleben und die auch in Zukunft dringend nötig sein wird.

Angriffen von Mackern, Antideutschen, Vereinsbürokraten und ihren Schlägertrupps setzen wir Solidarität und Gemeinschaft entgegen. Eine Solidarität, die uns befähigt, einen tatsächlichen Kampf gegen Krise und Krieg zu führen.

Wir haben nicht vor, nach dem Abklingen der Eskalation zum Status quo
zurückzukehren. Wir möchten dazu einladen, sich einzubringen. Viele Jahre haben alte Menschen Prozesse blockiert, Ideen ausgebremst und Räume zur Mitgestaltung verschlossen. Die voranschreitenden Änderungen im Haus ermöglichen es uns, gemeinsame Visionen für das Haus noch stärker umzusetzen. Wir wollen ein Hausprojekt, in dem es nicht nur um Wohnraum geht, sondern ein Movement zu schaffen, das klar gegen jede Form von Kolonialismus, Genozid / Vertreibung und Rassismus kämpft. Wir wollen einen Ort der Bewegung, des Austausches und des Kampfes, den wir gemeinsam mit Leben füllen.

Es gibt keinen ruhigen Randbezirk!
Hoch die internationale Solidarität!”
Viva Palästina!

Die Ereignisse von Samstag

Am 4.7.2026 morgens sind ca. 15 vermummte und bewaffnete Antideutsche in unser Hausprojekt, das AJZ KiTa / La Casa in Hellersdorf, eingedrungen. Sie haben angefangen, das Zimmer von einer*m Comrade mit Gewalt zu räumen. Dabei markierten sie die Person als vermeintlichen “Kopf” der palästina-solidarisch eingestellten Bewohner*innen. Zu diesem Zeitpunkt haben im Zimmer Gäste geschlafen. Die Gäste wurden von den vermummten Personen gewaltvoll herausgedrängt, leisteten aber Widerstand.

Gegen 10 Uhr kamen weitere Bewohner*innen des AJZ KiTa zur Situation hinzu und versuchten, die vermummten und bewaffneten Personen zu stoppen. Die antideutschen Angreifer*innen besprühten die Bewohner*innen direkt und gingen dabei mit Pfefferspray und Schlagstöcken vor. Ein*e Bewohner*in musste daraufhin ins Krannkenhaus.

Anschließend verbarrikadierten sich die antideutschen Angreifer*innen in Teilen des Hauses. Sie versuchten, die gesamte rechte Haushälfte sowie die Veranstaltungsräumlichkeiten des “La Casa”-Kneipenkollektivs für sich einzunehmen und vom Rest des Hauses abzutrennen. Während der gesamten Zeit befanden sich außerdem noch unbeteiligte Bewohnende in einer Wohngemeinschaft. Dabei nahmen die Angreifer *innen insbesondere die mentale und physische Gesundheit von Menschen in Kauf.

Einige Bewohner*innen sind damit einverstanden, hier zitiert zu werden:

“Um 10 Uhr morgens wurde ich von 6 Maskierten geweckt, die angefangen haben vor meiner Zimmertür eine Barrikade zu bauen. Einige waren mit Tränengas und Schlagstöckern bewaffnet. Sie sagten, ich solle mich beruhigen und dass sie nur die Zugänge verschließen. Ich konnte sehen, dass einige meiner Mitbewohner*innen starke Retraumatisierung durch ihre Zeit in Gefängnis-Camps erlebten. Trotz unserer Versuche, sie aus der Wohnung zu bekommen, verschafften sie sich immer wieder gewaltsam Zutritt. Das ging so über Stunden.”

“Einige weiße Männer unterbrachen meinen Schlaf, machten Pfefferspray in meine Augen. Ich konnte nicht atmen, weil ich eine allergische Attacke hatte. Mein Gesicht brannte noch noch den ganzen Tag. Ich wusste nicht, wo meine persönlichen Sachen waren. Das war extrem retraumatisierend.”

Innerhalb kürzester Zeit erfolgte eine Mobilisierung solidarischer Kreise, um die Besetzung zu beenden und der antideutschen Raumnahme Einhalt zu gebieten.

Mit einem solchen Ausmaß an Gegenwind hatten sie nach eigenen Aussagen nicht gerechnet. Auch ihr Versuch, Unterstützer*innen von außen zu mobilisieren, scheiterte. Durch entschlossenes Handeln der solidarischen Menschen vor dem Haus konnten die Besetzer*innen zum Gehen bewegt werden. Trotzdem mobilisierten sie weiterhin Leute zum AJZ Kita, woraufhin noch einige wenige aufgekreuzt sind.

Mit der Aktion haben die selbsternannten Besetzer*innen ihre eigene Aktionsbereitschaft und ihr Mobilisierungspotenzial scheinbar maßlos überschätzt. Durch unsere gute Vernetzung in libertäre und palästinasolidarische Bewegungen, unsere schnelle Reaktionsfähigkeit und das entschlossene Auftreten unserer Comrades ist es gelungen, ihren gewaltvollen Versuch, die Räumlichkeiten an sich zu reißen, scheitern zu lassen.

Als die antideutschen Macker feststellten, dass sie ihre “Besetzung” alleine nicht halten konnten, versuchten sie, die inzwischen aufgetauchten Cops für ihre Zwecke einzuspannen. Einer der antideutschen Vereinsvorstände versuchte zwischendurch, das Gelände räumen zu lassen. Die Polizei hatte daran wohl wenig Interesse.

In dem von ihnen veröffentlichten Statement verkündeten sie eine “Besetzung gegen Antisemitismus”. Sie sprachen von einem “antisemitischen Mob”. In ihrer Aufzählung der sog. antisemitischen Aktionen wird deutlich, dass ihre Antisemitismus-Definition schon bei der Kritik vom Genozid und Siedler-Kolonialismus anfängt.

Was davor geschah

Als palästinasolidarische Menschen, als junge Menschen mit Visionen für das AJZ Kita, haben wir hier schon länger Anfeindungen erlebt.

Wir setzen uns gegen Genozid-Leugnung, rassistische und antimigrantische Dynamiken, Mackerverhalten, Raumnahme durch ältere Personen und die Einschüchterung jüngerer Genoss*innen ein. Außerdem wenden wir uns gegen autoritäres Verhalten, das u.a. durch die Anwendung von bürokratischen Druckmitteln und das jahrelange Zurückhalten von Wissen und Zugängen ausgeübt wird.
Aus diesem Grund hat sich vor einiger Zeit das “New Casa”-Kollektiv gegründet. Ziel des “New Casa” ist es, einen Freiraum aus der Hand von einigen wenigen zu nehmen und ihn insbesondere für junge, queere under antikoloniale Perspektiven zu öffnen.
Auf unsere Kritik wird dabei grunsätzlich mit dem Narrativ “Wir waren schon länger hier und ihr seid unrechtmäßig eingedrungen” reagiert, obwohl es gerade die Verantwortung von Menschen ist, die schon lange hier sind, den Raum für engagierte, nächste Generationen zu öffnen anstatt Neuzugänge und die Diversifizierung von Perspektiven zu bekämpfen. Entgegen ihrer Darstellung, dass wir nur gekommen seien, um “das Haus von den Zios zu befreien” und bestehende Strukturen zu zerstören, haben wir die nicht-funktionierenden Arbeitsgruppen im Haus wiederbelebt, finanzielle Mittel organisiert, notwendige Großbaustellen umgesetzt, Initiativen ergriffen, um das Haus sozial zu öffnen und Moderationsprozesse zur Konfliktdeeskalation iniitiiert (die aber blockiert wurden). Wir sind auch keine unbekannten Leute, sondern teilweise Menschen, die schon länger das Haus handwerklich und solidarisch unterstützen. Wir sind junge Menschen, die sich im Kiez und in diesem Jugendclub organisieren wollen. Trotzdem wurden unsere Einzugsprozesse blockiert. Dies entspricht keiner Logik, es ist gegen die demokratisch festgelegten Vorschläge zu Einzugsprozessen und eine Akzeptanz dieser pauschal ausgesprochenen Vetos hätte zum finanziellen und sozialen Bankrott des Hauses geführt, weshalb alle Parteien beschlossen haben, Einzugsentscheidungen vorübergehend in die Verantwortungen der WGs zu legen.

Zuletzt hatten im Zuge einer geplanten Aktion eine Gruppe von Alt-Antideutschen etliche Menschen zu einer Sitzung mobilisiert, um sich von ihrem Umfeld in den Vereinsvorstand wählen zu lassen. Ihre Hoffnung war es, mit dieser Aktion den Verein zu übernehmen und jüngere, palästinasolidarische Menschen zu verdrängen.
Die bis dahin unbedeutende Aufgabe des formellen Vereinsvorstandes wird seither von ihnen missbraucht, um sich über demokratische Prozesse hinwegzusetzen, die über Jahre im Haus praktiziert wurden. Stattdessen gibt der Vorstand nun Anweisungen und delegitimiert gemeinsame Entscheidungsstrukturen.
Die Zuspitzung des Machtmissbrauchs des Vorstandes zeigt sich auch im Vorgehen bei Neueinzügen ins Haus. Personen aus dem vorstandsnahen Freundeskreis bekommen ohne Zustimmung der betreffenden Wohngemeinschaft gültige Mietverträge und Schlüssel ausgehändigt.
Der Angriff des Anti-Deutschen Schlägertrupps, die Kampagne “Reclaim La Casa”, ist das Resultat der oben beschriebenen Entwicklungen um den neuen Vereinsvorstand.

Wie wir weiter machen

Wir als Bewohner*innen freuen uns sehr über die schnelle Hilfe und die breite Solidarität, die wir seitdem erleben und die auch in Zukunft dringend nötig sein wird.

Angriffen von Mackern, Antideutschen, Vereinsbürokraten und ihren Schlägertrupps setzen wir Solidarität und Gemeinschaft entgegen. Eine Solidarität, die uns befähigt, einen tatsächlichen Kampf gegen Krise und Krieg zu führen.

Wir haben nicht vor, nach dem Abklingen der Eskalation zum Status quo
zurückzukehren. Wir möchten dazu einladen, sich einzubringen. Viele Jahre haben alte Menschen Prozesse blockiert, Ideen ausgebremst und Räume zur Mitgestaltung verschlossen. Die voranschreitenden Änderungen im Haus ermöglichen es uns, gemeinsame Visionen für das Haus noch stärker umzusetzen. Wir wollen ein Hausprojekt, in dem es nicht nur um Wohnraum geht, sondern ein Movement zu schaffen, das klar gegen jede Form von Kolonialismus, Genozid / Vertreibung und Rassismus kämpft. Wir wollen einen Ort der Bewegung, des Austausches und des Kampfes, den wir gemeinsam mit Leben füllen.

Es gibt keinen ruhigen Randbezirk!
Hoch die internationale Solidarität!
Viva Palästina!


CONTACT

Der E-Mail-Kontakt und die Social-Media-Accounts sind nur mit diesem Blog („#anarchists4palestine – autonomous and anarchist pro palestine blog“) verbunden und nicht mit einer Gruppe oder einem Netzwerk. (Öffentlicher PGP-key: Anarchists4Palestine-Berlin_pub.asc)

The contact by mail and the social media accounts are only associated with this blog (“#anarchists4palestine – autonomous and anarchist pro palestine blog”), and not with any group or network. (Public PGP key: Anarchists4Palestine-Berlin_pub.asc)

Zweck dieses Blogs ist es, zu mehr anarchistischen und autonomen Pro-Palästina-Aktivitäten zu motivieren und das Schweigen in Teilen unserer Szene über den andauernden Genozid an der palästinensischen Bevölkerung zu durchbrechen, durch die Veröffentlichung und Verbreitung von anarchistischen und autonomen Pro-Palästina-Inhalten und Berichten aus verschiedenen Quellen.

The aim of this blog is to encourage for more anarchist and autonomous pro-Palestine activities and to break the silence in parts of our scene about the ongoing genocide against Palestinian people, by publishing and spreading of anarchist and autonomous pro-Palestine content and reports from various sources.