From the river to the sea, „Antideutsche” gab es nie – Decolonize Connewitz!

von: Decolonize Connewitz (Instagram.Link)

Anarchistische Kritik antideutscher Ideologie und der Angriffe gegen Palästina-Solidarität in Leipzig Connewitz.

Ja, wir wollen ihre Deutungshoheit angreifen; denn Antifaschismus ist nur konsequent, wenn er für alle gilt, wenn er international und antinational, antikolonial, antirassistisch und antiautoritär ist – der Antifaschismus der Antideutschen ist all dies nicht.

Am 08.01.2026 kam es in Connewitz zu einem zionistischen Angriff auf eine Gruppe von ca. 20 Menschen, überwiegend Flintas, die an diesem Abend für die „Antifa-Means-Free-Palestine”-Demo am 17.01. plakatierten.

Dieser Vorfall reiht sich in eine ganze Serie derartiger Überfalle ein. Wieder waren die Angreifer eine kleine Gruppe von mittelalten, männlich gelesenen Schlägertypen, die palästina-solidariscne Personen ohne vorangegangene Eskalation körperlich angriff und verletzte. Neu ist allerdings das Ausmaß der Gewalt: Mindestens zehn Menschen wurden verletzt, eine Person musste mit Rettungswagen ins Klinikum gebracht werden, einer weiteren wurde ins Gesicht getreten und die Kufiya entrissen.

Neben Schlägen und Tritten, unter anderem mit Teleskopschlagstöcken, attackierten sie mit Pfefferspray und warfen Flaschen und Steine. Außerdem wurden Handys und Portemonnaies geraubt.
Eine Hetzjagd, bei der schwere Verletzungen in Kauf genommen werden zu veranstalten, ist kein kein innerlinker Streit, keine Auseinandersetzung über verschiedene Positionen zum „Nahostkonflikt” oder unterschiedliche Antisemitismusbegriffe.

Die Leipziger und bundesweite antideutsche Szene liegt im Sterben. Nur die ideologisch verbissensten können nach zweieinhalb Jahren Genozid weiterhin bedingungslos hinter Israel stehen, unzählige Kriegsverbrechen und zig-tausend Ermordete weiterhin leugnen oder rechtfertigen. Was bleibt, ist ein harter Kern, der seine zunehmende Bedeutungslosigkeit durch immer größere Brutalität kompensieren muss.

Mit diesen Menschen und mit allen, die ihre Angriffe rechtfertigen oder stillschweigend akzeptieren, ist eine Diskussion nicht möglich, es gibt keinen Beweis, kein Argument, keine Statistik, keinen evidenten Völkerrechtsverstoß, kein Video von verhungernden Kindern, zersprengten Körpern, keine noch so menschenverachtende und genozidale Aussage der israelischen Regierung, die AntiDs diesen harten Kerns ihre Position hinterfragen lassen könnte.

Sie können den Gedanken, dass Israel auf der falschen Seite steht, nicht zulassen, da ihr vorgeblicher Anti-Antisemitismus auf der Gleichsetzung von Jüdinnen*Juden mit dem Staat Israel basiert. Für Antisemit*innen begeht der israelische Staat Kriegsverbrechen, weil er jüdisch ist. Antideutsche operieren nach derselben Logik, nur umgekehrt: Weil Israel der Staat der Jüdinnen*Juden, der Überlebenden des Holocausts ist und sie sich mit diesen (oberflächlich) solidarisieren, kann Israel keine Kriegsverbrechen begehen.


Für beide ist das Vorgehen Israels Ausdruck eines kollektiven Judentums. Entweder ist mensch für Israel und für jüdische Menschen oder mensch ist gegen Israel und damit gegen jüdische Menschen. Linke antizionistische Positionen, die Israel als ein siedlerkolonialistisches Projekt kritisieren, das auf der Vertreibung, Vernichtung und Entrechtung der indigenen Bevölkerung basiert, haben in ihrem schwarz-weißen Weltbild keinen Platz.

Sich die Realität des Genozids, der Nakba oder der Siedlergewalt im Westjordanland, einzugestehen würde für Antideutsche bedeuten, sich selbst zu Antisemit*innen zu machen, weil sie den Staat Israel nicht verurteilen können, ohne gleichzeitig das kollektive Judentum zu verurteilen. Je länger der Genozid andauert und je größer die internationale Palästina-Solidaritäts-Bewegung wird, desto schwerer wiegt für sie die Last des Eingeständnisses, desto schwerer wird es, diese Realität zu verleugnen.

Die Ideologie der Antideutschen ist unter diesem Gewicht längst eingebrochen, ihre Widersprüche so offensichtlich wie nie.
Sie nennen sich antinationalistisch, solidarisieren sich aber gleichzeitig mit einem von extremen Nationalistinnen regierten Ethnostaat, dem US-Imperialismus und der deutschen Staatsräson.
Sie nennen sich antideutsch, unterscheiden sich inhaltlich jedoch kaum noch von dem politischen Status Quo der BRD.

Kein Land außer den USA liefert mehr Waffen an Israel. Alle größeren Medien und Parteien, vom Stern bis zur Bild, von der Linken bis zur AfD stehen bedingungslos hinter Israel.
Für die Bundesrepublik wie für die Antideutschen sind mehr als 70.000 Ermordete ein Kollateralschaden, „menschliche Schutzschilde” deren Tod man im Kampf gegen die Hamas in Kauf nehmen muss und ein „Friedensplan”, der die Vertreibung sämtlicher Palästinenser*innen aus Gaza vorsieht, scheint eine gute Lösung.

Sie rufen „ACAB” und bejubeln die in kaum einem Land brutaler ausfallenden Repressionen der Polizei gegen Palästina-Demonstrationen. Wen die
Knüppel deutscher Polizisten verfehlen, treffen in Connewitz die Schlagstöcke der Antideutschen. Sie nennen sich anitrassistisch und kopieren die Rhetorik der AfD, CDU und Springerpresse von einem „importierten Antisemitismus”, der sich durch Abschiebungen lösen ließe.

Es ist kaum verwunderlich dass das „bunte” Connewitz in Leipzig zu einem der Stadtteile mit dem kleinsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund zählt. Sie nennen sich „Autonome”, „Anarchist*innen” und „Anti-Autoritäre”. Während israelische Anarchist*innen und Antifas in Militärknäste gesperrt werden, weil sie den Kriegsdienst bei der IDF verweigern, schwenken deutsche „Autonome” die Fahne eben dieser Armee.

Die Stimmen antizionistischer Jüdinnen*Juden, palästinasolidarischer Holocaustüberlebender finden bei Antideutschen kein Gehör – für stolze antideutsche Vaterlandsverräter*innen kann mensch kein*e echte*r Jüdin*Jude sein, ohne hinter Israel zu stehen. Was antisemitisch ist und was nicht entscheiden in Connewitz weiße, christlich/atheistisch sozialisierte Deutsche.

Dieser Stolz, besser als alle anderen „aus der Vergangenheit gelernt zu haben”, der damit verbundene Anspruch auf die Deutungshoheit über Begriffe wie Antisemitismus und Genozid und die Bevormundung aller jüdischen, palästinensischen und antikolonialen Stimmen, die nicht in ihr Narrativ passen, ist längst Teil deutscher Staatsräson und eines neuen deutschen „liberalen” Nationalismus geworden, der im „anti”deutschen Weltbild fest verankert ist.

Die Lügen, mit denen AntiDs gegen die Demo am 17.01. mobilisieren sagen mehr über sie selbst aus, als über uns.
Sie werfen uns vor, Connewitz „überfallen”, linke Freiräume angreifen zu wollen. Dabei waren es in den letzten Monaten und Jahren immer wieder zionistische Schlägertrupps, die durch die Straßen ziehen und palästinasolidarische Menschen krankenhausreif prügeln, weil ihnen eine Kufiya nicht passt, nicht andersherum.

Wenn dann, unter anderem aus eben diesem Anlass, eine Demo in Connewitz stattfindet, die sich mit den Opfern der zionistischen Angriffe und der palästinensischen Bevölkerung solidarisiert, inszenieren sie sich als Opfer und machen bundesweit mobil um diesen „Antisemiten aufs Maul” zu hauen. Dabei ist diese vorgeblich „radikale Linke” sich selbst nicht zu schade um mit SPD, Grünen und FDP eine Querfront zu bilden.

Sie behaupten, wir seien dogmatisch, autoritär und wollen die Deutungshoheit über den Begriff Antifaschismus erlangen, während sie genau diese Deutungshoheit für sich beanspruchen und auf jede Kritik daran mit Ausschluss aus linken Räumen oder gleich mit Gewalt beantworten. Es ist eine laute Minderheit von Antideutschen, die in den internen Hausplena des Conne Islands, der Roten Flora, des Alhambra und vielen weiteren AZs sitzen.

Sie entscheiden darüber, von welchen Gruppen Räume genutzt, welche Vorträge gehalten, Filme gezeigt und Kleidungsstücke getragen werden dürfen, einfach weil sie länger in der Szene sind und sich über die Jahre institutioneile Macht aufgebaut haben. Sie haben damit den Diskurs dominiert und große Teile der radikal linken Szene davon abgehalten, über Palästina zu sprechen. Doch ihre Macht bröckelt. Ihre Schläger werden vielleicht brutaler, doch sie werden jeden Tag weniger und wir jeden Tag mehr.

Ja, wir wollen ihre Deutungshoheit angreifen; denn Antifaschismus ist nur konsequent, wenn er für alle gilt, wenn er international und antinational, antikolonial, antirassistisch und antiautoritär ist – der Antifaschismus der Antideutschen ist all dies nicht.

Frieden, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung allen Menschen im historischen Palästina!
Antifa means Free Palestine!


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Zweck dieses Blogs ist es, zu mehr anarchistischen und autonomen Pro-Palästina-Aktivitäten zu motivieren und das Schweigen in Teilen unserer Szene über den andauernden Genozid an der palästinensischen Bevölkerung zu durchbrechen, durch die Veröffentlichung und Verbreitung von anarchistischen und autonomen Pro-Palästina-Inhalten und Berichten aus verschiedenen Quellen.

The aim of this blog is to encourage for more anarchist and autonomous pro-Palestine activities and to break the silence in parts of our scene about the ongoing genocide against Palestinian people, by publishing and spreading of anarchist and autonomous pro-Palestine content and reports from various sources.