Redebeitrag von Anarchist*innen für Palästina auf der queer-feministischen Take Back The Night Demo 30.04.2026

Mehrere Tausend beteiligten sich an der queer-feministischen Demonstration „Take Back The Night” Demo durch Kreuzberg und Neukölln, die von FLINTA*s diverser Gruppen organisiert wurde.

Während der Demo gab es Bannerdrops und dynamische Pyro-Einlagen.

(Fotos von Montecruz Foto)

„Ein antikolonialer Feminismus kooptiert nicht mit dem kolonialen Staat, er bekämpft ihn. Ein revolutionärer Feminismus gibt sich nicht mit Reformen für einige wenige zufrieden, sondern strebt die Befreiung aller an. Ein antiimperialistischer Feminismus nutzt nicht die eigene Unterdrückung, um Rassismus zu schüren, sondern verbindet sich im internationalistischen Kampf gegen Patriarchat, kapitalistische Ausbeutung und Koloniale Zerstörung.” — Redebeitrag Anarchist*innen für Palästina

Gesamter Redebeitrag von Anarchist*innen für Palästina:

Heute ist ein historischer Tag feministischer Kämpfe in Deutschland. Die Walpurgisnachtdemo geht zurück auf Spontandemos der siebziger Jahre an den Orten an denen Frauen und Queers ermordet wurden. Es war eine kollektive Antwort auf die Gewalt, die in einem Moment eine getroffen hat, aber jederzeit jede treffen konnte. Es war ein Zusammenschluss, um der Wut öffentlich Ausdruck zu verleihen. Wir sind hier, 50 Jahre später, in den Spuren dieser Geschichte. Die Gewalt besteht weiter, Vergewaltigungsnetzwerke werden aufgedeckt, Femizide gehören zum Tagesgeschehen. Das Patriarchat wütet um sich.

Im Kampf für ein besseres Morgen ist es ein wichtiger Schritt uns im Bewusstsein unserer geteilten Geschichte zu bewegen. Wir knüpfen in dieser Stadt Berlin an, an die vielen mutigen Kämpferinnen und Revolutionär:innen, die vor uns hier waren, die ihr Leben nach dem Kampf für Befreiung ausgerichtet haben. Das ist ein Vermächtnis, das wir tragen dürfen. Eine von Ihnen war unsere Gefährtin und Freundin Devran, der diese Demo heute gewidmet ist.

Als Feminist:innen im Herzen der Bestie, als Revolutionär:innen im imperialistischen Westen, bedeutet ein anknüpfen an die Geschichte aber auch anzuerkennen, wo sich politische Errungenschaften in Europa, auf Schultern von Menschen im Globalen Süden erkämpft wurden, wo Weiße Feminist:innen Schwarze Gefährt:innen und Gefährt:innen of Color immer wieder historisch verraten haben, wo vermeintliche „Frauenrechte” instrumentalisiert werden, um gegen nicht-weiße Männer -vor allem muslimische und schwarze Männer- Hetze zu betreiben. Der westliche Feminismus hat sich immer wieder in den Dienst kolonialer, imperialistischer, zionistischer und kapitalistischer Interessen gestellt. Der liberale Feminismus hat sich dem Staat verkauft, die vermeintliche Befreiung einzelner in den Vordergrund gerückt und es bis in die imperialistische deutsche Außenpolitik geschafft. Weißer liberaler Feminismus baut auf Rassimus, white Supremacy und der Arroganz auf zu glauben, wir in Europa wissen, wie sich Menschen in anderen Teilen der Welt befreien sollten. Dabei wissen wir noch nicht mal, wie wir uns hier selbst befreien wollen. Die im Westen viel gefeierte Feministin Betty Friedan hatte auf einer Frauenkonferenz 1985 der ägyptischen Feministin Nawal El Saadawi gesagt, sie solle nicht über Palästina sprechen, das sei eine Frauenkonferenz und keine Politische.
Aber wir wissen, der Kampf für ein freies Palästina ist ein feministisches Anliegen. Der Kampf gegen Faschismus und Zionismus sind Teil unserer feministischen Befreiung.

Die Latin American Anarchist Coordination (CALA) schreibt in einem Statement gegen den imperialistischen Angriff auf Venezuela: “Im Angesticht des Imperialismus gibt es keine Neutralität. Entweder steht man auf der Seite der Herrschaft, der Ausbeutung und des Krieges, oder man steht auf der Seite der Unterdrückten.”

Ein antikolonialer Feminismus kooptiert nicht mit dem kolonialen Staat, er bekämpft ihn. Ein revolutionärer Feminismus gibt sich nicht mit Reformen für einige wenige zufrieden, sondern strebt die Befreiung aller an. Ein antiimperialistischer Feminismus nutzt nicht die eigene Unterdrückung, um Rassismus zu schüren, sondern verbindet sich im internationalistischen Kampf gegen Patriarchat, kapitalistische Ausbeutung und Koloniale Zerstörung.
Die Entscheidung auf welcher Seite der Geschichte wir stehen, treffen wir nicht in einem Slogan auf unserem Demoschild. Sie zeigt sich in unserer langfristigen Organisierung für ein befreites Leben für alle, in der Erarbeitung unserer revolutionären Haltung und Persönlichkeiten, im Bewusstsein darüber, dass wir Risiken eingehen und bereit sind, die Konsequenzen dafür zu tragen. Darin, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit anerkennen und uns darin verbinden.

Devran hat sich letztes Jahr das Leben genommen. Bei einer Infoveranstaltung erzählte sie, dass ihre Gruppe Antifa Genclik viel kritisiert wurde und ihr Vater zu sagen pflegte: “Manche sitzen oben und schauen nach unten und kritisieren viel. Wir anderen sind unten und kämpfen und machen dabei viele, viele Fehler.”

Lasst uns den Mut haben aus Fehlern zu lernen und in unseren Kämpfen kontinuierlich einen Schritt nach vorne zu gehen.

Für eine kämpferische Nacht, aber vor allem viele kämpferische Leben.


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